Ev. - Luth. Kirchengemeinde Lägerdorf
- Lutherkirche -

Angedacht am Ostersonntag 2021

„Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.“ Diese Worte des Erstaunens und der Freude der Jünger, erzählen von dem Unbegreiflichen, was am Ostermorgen geschehen ist. Denn Jesus war nicht im Tod geblieben, sondern war wieder zu seinen Freunden und Freundinnen gekommen. Wo vorher alles nur trostlos, dunkel und traurig zu sein schien, machten sich neue Hoffnung und Zuversicht breit. Aber wie kann diese österliche Freude über die Jahrtausende auch uns erreichen? Wo erleben wir „Auferstehung“ in unserem Leben? Um diese Fragen geht es an diesem Ostertag.

 

Der 118. Psalm versucht etwas von dem Ostergefühl zum Ausdruck zu bringen:

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Der Herr ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:

Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Die Rechte des Herrn ist erhöht;

die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.

Der Herr züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.

Das ist das Tor des Herrn; die Gerechten werden dort einziehen.

Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

Das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O Herr, hilf! O Herr, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid. Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

 

Das Evangelium dieses Ostersonntages steht bei Markus im 16. Kapitel und beschreibt, wie die Frauen das leere Grab fanden:

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.

3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.

6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.

7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Amen

 

Angedacht

Als sich die Frauen am Ostermorgen auf den Weg machen, haben sie eine schwere Aufgabe vor sich: Sie wollen dem verstorbenen Jesus noch einen letzten Dienst erweisen, ihn waschen und einsalben. Die Schritte dürfen schleppend gewesen sein, denn viel Traurigkeit lastete auf ihren Schultern. Jesus war tot, der Mann, den sie mit so viel Hoffnung von Galiläa nach Jerusalem begleitet hatten. Er hatte von Gerechtigkeit und Frieden erzählt und gezeigt, wie das Reich Gottes aussehen könnte. Nun schien alles zu Ende zu sein und sie wussten nicht, wie es weitergehen sollte. Doch zunächst gab es noch ein Problem: Wie sollten sie nur den schweren Stein von dem Grab wegbewegen? Deshalb ist ihr Erstaunen groß, als sie dort ankommen und der Stein vor der Höhle fortgerollt ist. Sie kennen vielleicht die Redenswendung „etwas ins Rollen“ bringen. Sie wird verwendet, wenn etwas festgefahren und wie erstarrt scheint und sich wieder in Bewegung setzen soll. Und so ist dies auch bei den drei Frauen am Ostermorgen. Als sie den weggerollten Stein sehen und die Worte des Engels hören: „Er ist auferstanden!“, setzt sich auch in ihnen etwas in Bewegung. Die Traurigkeit weicht von ihnen und es wächst die Zuversicht, dass das, was sie gerade erleben, wirklich stimmt. Und daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie zunächst vor Schrecken weglaufen. Es ist etwas in ihnen angestoßen worden, was sie an einen neuen Anfang glauben lässt und wieder neues Vertrauen in die Zukunft in ihnen weckt.

Doch anders als in der Ostergeschichte erleben wir es in unserem Leben oft genug nicht, dass Steine in Bewegung gesetzt werden. Denn jeder und jede hat Steine, die auf der Seele liegen, die belasten, niederdrücken und das Leben schwer machen. Und jede und jeder von ihnen könnte andere Begriffe für sie finden – Verzweiflung, Einsamkeit, Zukunftsangst und noch manches mehr. Wir würden sie gerne irgendwo ablegen, können sie allein jedoch nicht vom Fleck rücken. Aber an dieser Stelle bekommt der fortgerollte Stein am Ostermorgen für uns seine Bedeutung. Denn er soll auch für uns ein Zeichen sein, dass die Hoffnung besteht auf Veränderung und Leben – hier und jetzt und sogar durch den Tod hindurch. Steine, die uns auf der Seele liegen, müssen nicht zum ständigen Ballast werden. Zwar lösen sie sich nicht alle einfach auf und es gibt immer noch Leid, Schmerz oder Trauer. Aber mit dem Glauben daran, dass mit dem fortgerollten Stein am Ostermorgen die Sache Jesu weitergeht, können auch wir die Erfahrung machen, wie Jesus uns neue Kraft schenkt, uns in anderen Menschen nahekommt und so unsere Steine, die auf uns lasten, kleiner werden und in Bewegung geraten.

Somit erzählt Ostern von Hoffnung, von Bewegung, von Veränderung. Das Leben hat immer wieder eine Chance, damals und auch hier und heute.

Amen


Lassen sie uns beten:

Mit dem Ostermorgen hast du Gott ein Licht gesandt in unsere manchmal dunkle Welt. 

Du hast ein Zeichen damit gesetzt, dass neue Anfänge, neue Lebendigkeit immer wieder möglich sind. 

Dafür danken wir dir.

Doch nicht alle können etwas davon spüren.

Und so bitten wir dich für jene,

die unter all den Einschränkungen der Pandemie leiden und Angst vor der Zukunft haben;

denen ihre Einsamkeit gerade an diesen Festtagen besonders schmerzhaft deutlich wird.

Hilf ihnen, den Mut nicht zu verlieren.

 

Wir bitten dich für jene,

die unter einer schweren Krankheit leiden,

die einen sterbenden Angehörigen begleiten müssen,

die in der Traurigkeit nach dem Tod eines geliebten Menschen immer noch wie gelähmt sind.

Lass sie die Erfahrung machen, dass du ihnen auch in diesen dunkelsten Stunden nahe bist.

 

Wir bitten dich für die ganze Welt,

für die Menschen, die vor Krieg und Terror fliehen mussten,

für die Eltern, die nicht wissen, was sie ihren Kindern zu essen geben können,

für jene, denen Naturkatastrophen Hab und Gut genommen hat.

Hilf ihnen zu überleben und lass uns das Unsere dazu beisteuern.

 

Und alles, was wir sonst noch hoffen und erbitten, schließen wir ein in das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:

 

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen  

Gott segne uns und behüte uns.

Gott blicke uns freundlich an und sei uns gnädig.

Gott sei uns nahe und schenke uns seinen Frieden.

Amen