Ev. - Luth. Kirchengemeinde Lägerdorf
- Lutherkirche -

2. Sonntag nach Epiphanias

 „Von deiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“, so lautet der Wochenspruch aus dem Johannesevangelium (Johannes 1,16). Und dieser Vers macht auch gleich deutlich, dass es an diesem Sonntag darum geht, wie sehr sich Gott der Welt zuwendet und ihr gibt, was sie zum Leben braucht. Das ist im Alten Testament in vielen Geschichten zu entdecken, wie im Auszug aus Ägypten. Aber finden es auch in den Berichten über das Handeln Jesu. Immer gibt Jesus etwas von seiner Kraft an die Menschen. Besonders eindrücklich ist dies in einer Heilungsgeschichte, in der eine Kranke Frau Jesus einfach berührt, um wieder gesund zu werden. Und in diesem Augenblick spürt Jesus, wie etwas von ihm an sie weitergegeben wird. Aber wo können wir, die wir Jesus nicht mehr leibhaftig begegnen, ähnliche Erfahrungen machen? Wie wird etwas von dieser besonderen Kraft, dieser Fülle auch an uns weitergegeben? Um diese Frage wird es in den Texten dieses Sonntages gehen.

 

In einer Übertragung des 105. Psalm hören wir einen Beter Gott dafür danken, dass er für uns da ist:

Wir danken dir, lieber Gott.

Wir singen für dich. Wir spielen für dich.

Wir erzählen von deinen Wundern,

über die wir nur staunen können.

Wir zeigen andern, wie gern wir deinen Namen tragen.

Wir freuen uns, dass du dich von uns finden lässt.

Denn du bist unser guter Gott.

Du hast uns von Vorväterzeiten an gezeigt,

wie du uns Menschen liebst.

Du hast immer dein Wort gehalten,

das du einmal gegeben hast.

Menschen, die dich liebten, hast du für unantastbar erklärt.

Wir wissen, wie du dich eingesetzt hast

für das Volk in der Sklaverei.

Du hast ihm die Freiheit gebracht,

weil sich gute und tapfere Frauen und Männer fanden,

die den Weg in neues Land antraten.

Die Mächtigen mussten sich beugen,

weil du es so wolltest.

Durch schreckliche Zeiten hindurch

hast du die Menschen begleitet.

Du gabst ihnen neues Land, neue Hoffnung

und neue Würde.

Sie sollten nur deine Gebote halten

und sich nach dir richten.

 

Der heutige Evangeliumstext steht bei Johannes im 2. Kapitel und handelt von der der Hochzeit in Kanaa.

 1 Und am dritten Tage war eine Hochzeit in Kanaa in Galiläa, und die Mutter Jesu war da.

2 Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.

3 Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.

4 Jesus spricht zu ihr: Was geht's dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.

6 Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße.

7 Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan.

8 Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister! Und sie brachten's ihm.

9 Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam - die Diener aber wussten's, die das Wasser geschöpft hatten -, ruft der Speisemeister den Bräutigam

10 und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten.

11 Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kanaa in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Amen

 

Angedacht

Die Geschichte von der Hochzeit zu Kanaa ist eine, die kein Winzer gerne liest. Nur durch ein Wort Jesu verwandeln sich gleich mehrere große Krüge mit Wasser in Wein, sogar in den besten Wein, also so etwas wie Spätlese.

Doch bevor wir auf das Wunder genauer eingehen, schauen wir noch auf Jesus selbst. Denn er sammelt zu Beginn alles andere als Sympathiepunkte. Die Art und Weise, wie er auf die Anfrage seiner Mutter reagiert, ist mit „schroff“ noch freundlich umschrieben. Und auch an anderen Stellen ist in den Evangelien zu entdecken, dass es im Verhältnis zu seiner Mutter und seiner Familie immer auch mal Spannungen gab. Maria lässt sich jedoch nicht so einfach abwimmeln, sondern bleibt dran. Jesus reagiert vermutlich so, weil er selbst bestimmen wollte, wann und wo er mit seinem öffentlichen Auftreten beginnt. Aber er lässt sich umstimmen und wendet sich an die Diener, um Wasser in die Krüge füllen zu lassen. Und ohne, dass er noch etwas sagt oder tut geschieht das Wunder: das Wasser verwandelt sich in Wein, wie gesagt in richtig guten Wein, wie der Speisemeister zum Bräutigam anmerkt. Wie die anderen Gäste darauf reagiert haben, ob sie das Wunder überhaupt bemerken, wird nicht ganz deutlich. Seine Jünger hingegen nehmen dieses Verwandlungswunder als Zeichen seiner Macht und Bedeutung wahr.

Nun könnte man anmerken, dass dieses Wunder als erster Beweis von Jesu Fähigkeiten ein wenig merkwürdig ist. Er heilt keine Kranken, erweckt niemanden zum Leben, macht also nichts, was wirklich lebensnotwendig ist, sondern hilft nur dabei, dass die Hochzeit gelingt. Und manche würden vielleicht sogar anfragen, ob zu einem gelungenen Fest wirklich Alkohol dazugehört. Aber indem er sich dieses Ereignis als erstes öffentliches Handeln wählt, macht er deutlich, dass er ganz nah am Leben der Menschen sein will. Er ist nicht nur in schwierigen Augenblicken ansprechbar, wo Leid und Not groß sind, sondern nimmt an den fröhlichen Höhepunkten des Lebens teil. Sein Angebot, bei und mit den Menschen zu sein, erstreckt sich auf alle Bereiche des Lebens. Denn er hat viel zu geben, an Nähe und Kraft. Um dies zu tun, fordert er von seinem Gegenüber nichts Besonderes ein. Es braucht keine Gegenleistung. Es reicht völlig aus, ihm zu vertrauen. Man muss zunächst noch nicht einmal an ihn glauben. Denn der Glaube ist letztlich das Ergebnis, seiner Wunder und seiner Hinwendung zu den Menschen. Jesus gibt etwas von sich, einfach so. Und wenn es sechs steinerne Krüge gefüllt mit gutem Wein sind.

Wie wenig selbstverständlich es ist, an andere etwas zu geben, macht eine andere Hochzeitgeschichte deutlich, in der es ebenfalls um Wein geht:

Irgendwo sollte eine Hochzeit gefeiert werden. Die Brautleute hatten nicht viel Geld, aber dennoch waren sie der Meinung, dass viele Leute mitfeiern sollten. Es sollte ein großes Fest werden. Sie baten die Eingeladenen, je eine Flasche Wein mitzubringen. Am Eingang würde ein großes Fass stehen, in das sie ihren Wein gießen könnten. Und so sollte jeder die Gabe des anderen mittrinken und jeder mit jedem froh sein.

Als nun das Fest eröffnet wurde, liefen die Kellner zu dem großen Fass und schöpften daraus. Doch wie groß war das Erschrecken, als sie merkten, dass es Wasser war! Wie versteinert saßen alle da, als ihnen bewußt wurde, dass jeder von ihnen gedacht hatte: Die eine Flasche Wasser, die ich hineingieße, wird niemand merken oder schmecken. Jeder hatte gedacht: Heute will ich auf Kosten anderer feiern. – Das Fest hat nicht stattgefunden. (aus: Anno Domini 2000, Agentur des Rauhen Hauses Hamburg)

Eine Parabel die zeigt, was passiert wenn jeder und jede nur auf den eigenen Vorteil schaut. Dann verwandelt sich der Wein ganz schnell wieder in Wasser. Und genau an dieser Stelle können wir die Erzählung von der Hochzeit zu Kanaa noch einmal neu und ganz anders verstehen. Es geht für uns darum, wie Jesus, von der Fülle abzugeben und zu teilen. Dabei muss es sich nicht notwendiger Weise um materielle Dinge handeln – wobei es viele Hilfsorganisationen gibt, die auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Oft genügt es, etwas ganz anderes an andere weiterzugeben. Dinge wie Zeit, eine helfende Hand, ein tröstendes Wort. Und indem wir dies tun, merken wir, dass wir dadurch nicht ärmer werden, sondern vielmehr selber etwas zurückbekommen. Jesus geht uns dabei mit gutem Beispiel voran und zeigt uns, wie das Leben zu einem Fest werden kann, wo die Freude (und der Wein) nicht ausgehen.

 

Gebet

Gott, du schenkst uns von deiner Fülle

und hilfst, dass unser Leben gelingt.

Dafür können wir dir eigentlich nur danken.

 

Doch nicht alle erreicht dein Angebot.

Manche sind in ihren Sorgen und Nöten so gefangen,

dass sie die Angebote deiner Nähe nicht entdecken.

 

Und so bitten wir dich für die Menschen,

die unter den Folgen der Coronakrise leiden,

die Angst um ihre wirtschaftliche Zukunft haben,

die in Zeiten der Kontaktbeschränkungen das Alleinsein noch viel stärker spüren.

Lass sie offene Ohren finden, die ihnen zuhören und dann auch nach Lösungen suchen.

 

Wir bitten dich für jene,

die einen geliebten Menschen verloren haben

und in ihrer Trauer gefangen sind.

Gib ihnen Menschen an die Seite die ihnen helfen,

wieder den Weg zurück ins Leben zu finden.

 

Wir bitten dich für alle,

die unter den Folgen von Krieg und Gewalt leiden,

die ihre Heimat verlassen mussten,

die nicht wissen, wie sie den nächsten Tag überleben sollen.

Lass sie erfahren, dass sie in all dem nicht alleingelassen werden.

 

Und alles, was wir sonst noch hoffen und erbitten, schließen wir ein in das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat:

 

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen  

Gott segne uns und behüte uns.

Gott blicke uns freundlich an und sei uns gnädig.

Gott sei uns nahe und schenke uns seinen Frieden.

Amen